.: Rost - Rezensionen






 

Pressespiegel
     
Kleine Zeitung  

Ein Blick auf die dunkle Seite des Altwerdens

Der schale Duft nach der ewig gleichen Gemüsesuppe und Altherrengeruch. Schlaflose Nächte ob des rachitischen Hustens des Zimmergenossen und der eigenen Albträume. Latente Aggression und frenetische Gewaltexzesse der Oberschwester: Das „Haus des Friedens“, das der Leobener Autor Günther Freitag in dunkelschwarzer Tinte zeichnet, offenbart sich in der Inszenierung von Andi Peichl vom TheaterDirekt eher als Zwinger. Ein Käfig voller Narren, aus dem es kein Entrinnen gibt. Christina Russ, Roland Meixner, Alex Linhardt und Markus Messics verdichten die düstere Szenerie auf der Bühne des Stadttheaters Leoben, die kleinen und größeren Macken der Heimbewohner haben die Schauspieler mit Fokus auf die Details ausgefeilt. Keine leichte Kost, wenn man bedenkt, wie viel Realität in der skurrilen Schlappheit und schaurigen Spannung des Heimalltags stecken mag. Die strenge Hand der katholischen Heimleitung in „Rost“– brisanter als je zuvor. Die Bewältigung der während eines Menschenlebens tief eingemeißelten Traumata kommen in Peichls Inszenierung in windelweichen Wellen – ein Aufund Abebben in Chopins Klangkaskaden. Das Publikum verdaute den harten Stoff nicht immer leicht, manche hätten sich vielleicht einen vorsichtig optimistischen Ausklang gewünscht.

Andreas Schöberl

 

     
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Gelungene „Rost“-Premiere

Wirklichkeitsverlust und die unschone Seite des Altwerdens waren die zentralen Stichworter des von Gunther Freitag verfassten und vom Theater Direkt aufgefuhrten Stuckes Rost, welches am 16. März seine Premiere im Stadttheater hatte. Der ehemalige Hofrat des Landeshauptmannes (gespielt von Roland Meixner), der bereits im Altersheim sein Dasein fristet, glaubt, er sei der Komponist Chopin. Seine Zimmerkollegen Frank und Julian (gespielt von Markus Messics und Alex Linhardt) versuchen ihn zu beschutzen und dabei gleichzeitig dem grauen Heimalltag zu entfliehen. Mit der strengen, katholischen Heimleiterin (gespielt von Christiana Russ), die das Regiment uber die Bewohner des Haus des Friedens fuhrt, schwingt schwarzer Humor und tiefe Ironie in Andi Peichls Inszenierung mit. Auf ernuchternde Weise wurde dem Publikum die eher unschone Seite des Alterwerdens vor Augen gefuhrt. Die Schauspieler, in gewohnter Topform, erganzten die ausgeklugelte Story mit hervorragender schauspielerischer Leistung, bei der sogar die kleinsten Macken der Heimbewohner gekonnt in Szene gesetzt.







(p) & (c) günther freitag 2011