.: Die Entführung der Anna Netrebko - Rezensionen


Gebundenes Buch mit Lesenbändchen: 256 Seiten
Verlag: Wieser Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3990291599
ISBN-13: 978-3990291597

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Pressespiegel
     
     
DerStandard  

"Die Entführung der Anna Netrebko": Ein anderer Kampf um Stimmen

Günther Freitags sprachwitziger Roman wird am Montag in der Buchhandlung Frick präsentiert

Wien – Der Grundton ist von allem Anfang an klar: "Obwohl Mama Verdi und Puccini über alles liebt und keine Premiere in der Staatsoper versäumt, ist sie ein ausgemachtes Ekel." Ist sie wirklich, diese monströse Wiener Erfolgsanwältin, übergewichtig, herrschsüchtig, egomanisch, verächtlich, sexuell unausgelastet. Als Mutter eine Katastrophe. Ihr Sohn, vierzig plus, farblos, linkisch, Stirnglatze, nicht nur stimmtechnisch eine Niete, ist ebenfalls Anwalt. Ein "Virtuose der Niederlagen", der sich mit jenen verhaltensoriginellen Klienten plagen muss, die für die gewichtige Frau Mama höchstens lachhafte Witzfiguren – und daher unerheblich – sind.

Traum und Wirklichkeit

Günther Freitags "Die Entführung der Anna Netrebko" (Wieser Verlag, 21 Euro, 259 Seiten) ist, ja, eine Art kombinierter Schlüssel- und Bildungsroman, ebenso sprachwitzig wie klug, der Montagabend in der Buchhandlung Frick präsentiert wird. Gnadenlos und bissig mischt Freitag Facts und Fiction, Traum und Wirklichkeit, erfundene Figuren und reale Persönlichkeiten. Da schimpft die Mutter (man erinnere sich: überheblich und dünkelhaft!) Claus Peymann einen "arroganten Lispler ... Keine Ahnung vom Theater, ein Sprücheklopfer, ein selbstverliebter Greis, den niemand außer dem Kunstminister ernst nehme." Auch ihr Urteil über die amtierende Kulturministerin ist vernichtend: "Sie sei, nachdem sie eine staatliche Bank an den Rand des Ruins gewirtschaftet habe, statt in Untersuchungshaft genommen zu werden, als Ministerin angelobt worden, weil sie ... nichts über die Verwicklung anderer Politiker in die krummen Geschäfte der Bank ausplaudern werde." Der Staatsoperndirektor "grinste und zeigte mir ein Gebiss, das mich an ein Pferd erinnerte. Er sei auch Sänger gewesen. Sänger und Tennisspieler, was in Rumänien keine außergewöhnliche Kombination sei."

Innige Abneigung

Die innige Abneigung zwischen der Mutter, die nach einem Schlaganfall im Krankenhaus landet, und ihrem Sohn, der deswegen zumindest vorübergehend den Kanzlei-Chefsessel erklimmt, verlagert sich zunehmend auf die Kunst. Der Sohn erkennt, "dass die Musik das Gebiet ist, auf dem ich sie schlagen muss". Zunächst ist es nicht Anna Netrebkos Stimme, sondern ihr Foto auf einem CD-Cover, das ihn zum gerade besessenen Bewunderer macht. "Putins Geliebte", spottet daraufhin die tenorgeile Mutter, "die selbst nach ihrem Zusammenbruch mehr als hundert Kilo wiegt ... Und jetzt dieser Weißrusse, Kasache oder Moldawier mit dem schwammigen Mondgesicht und seinem monströsen Bauch ... Neben dieser Schießbudenfigur wirke sie beinahe zerbrechlich." Leider endet auch die Liebe zu Erica, einer Chorsängerin, im Fiasko. Wegen Anna natürlich. Die wird übrigens, so viel Spoiling darf sein, nicht wirklich entführt. (Andrea Schurian, 5.2.2016) - derstandard.at/2000030452898/Die-Entfuehrung-der-Anna-Netrebko-Ein-anderer-Kampf-um-Stimmen

     

     
Günther Höfler - Literaturhaus Graz  

Mitunter hat es den Anschein, als würden sich auch in der Literaturgeschichte Phänomene einmal als Tragödie und einmal als Farce, zumindest als Satire manifestieren. Denn waren Geschichten über Elternfiguren, meist Väter, in den 1970er-Jahren noch triefend vor Tragik, kann man diese Thematik nunmehr verstärkt in der komischen Perspektive erleben, wie etwa in Günther Freitags satirischem Roman Die Entführung der Anna Netrebko. Denn die Mutter, die uns der der Icherzähler schildert, ist ein 120 Kilo schweres „ausgemachtes Ekel“, das den gut 40-jährigen Sohn nach allen Regeln der Matronenkunst gängelt. Nun kennt man humoresk gezeichnete, hyperprotektive Mutterfiguren ja auch als jiddische Mamme, so etwa bei Raphael Seligman oder Thomas Mayer; aber die Wiener Mamme in diesem Roman schlägt die jiddischen allemal um Längen, nämlich durch die Perfidie ihrer Herrschaftsausübung. Denn meint es die jiddische Mamme auf ihre spezifische Weise letztlich denkbar oder unerdenklich gut mit dem Sohn, so meint es diese Mutter mit ihrem Sprössling herzlich schlecht. Dieser ist wie seine Gebärerin Rechtsanwalt, vom Status her aber nicht mehr als Hilfskraft in ihrer Kanzlei. Denn während sie Politiker und Wirtschaftsmächtige in spektakulären Angelegenheitenmedienwirksam vertritt, teilt sie ihm die mickrigen und aussichtslosen Fälle zu, wie etwa jenen des paranoiden Querulanten Siebenklar. Sie thront in einem Bürosalon mit Stilmöbeln, während das Arbeitskämmerchen dieses Wiener Stadtneurotikers im IKEA-Stil eingerichtet ist. Und wenn er einmal glaubt, mit einer Causa wie Bankbetrug Aufsehen machen zu können, zerrinnt ihm die Brisanz des Falles während der Bearbeitung zwischen den Fingern. So er einmal doch einen Prozess gewinnt, klärt ihn seine Mutter auf, dass das nicht sein Verdienst sei, sondern dass der Richter „ein vom Alkohol und seinen zahllosen Liebschaften“ gezeichnetes Wrack sei und „das Urteil eines Alkoholikers“nicht zähle.Es scheint, als wäre das ganze Leben des Sohnes eine Self-Fullfilling-Prophecy der Mutter: „Es gebe Siegernaturen und geborene Verlierer, meint Mama“, und er gehöre eben zur letzten Kategorie, er ist einer Selbstcharakteristik nach „ein Virtuosein Niederlagen". Und weil er auch eine so mickrige Verliererstimme hat und kein solch bestimmendes Organ wie die Mutter, schickt ihn diese zu einer sogenannten Burgtheaterlegende zum Sprechtraining. Der alte Schauspieler, der kein Wort über Peymann hören will, ähnelt in seiner Erscheinung halbwegs der jenes alten Germanistikprofessors, der in einer frühen, kafkaesk absurden Erzählung von Günther Freitag auftritt. „Er öffnete sein Sakko, nachdem er bemerkt hatte, dass es falsch zugeknöpft war. Auf Hemd und Schuhe hatte er vergessen, das zerknitterte Unterleibchen war in den Hosenbund gestopft.“ Solche Passagen stehen, abgesehen davon, dass sie höchst vergnüglich zu lesen sind, metonymisch für einevernehmliche Tendenz dieses Romans, nämlich eine treffend-satirische Entlarvung der Eitelkeiten und der unermesslichen Hohlheit des bourgeoisen Kunst- und Kulturbetriebes und der verlogenen Selbstinszenierung der sogenannten „besseren Gesellschaft“. Dafürsteht als Illustration auch der Internatskollege und mittlerweile versoffene Musikkritiker Köhldorfer, der den Icherzähler seit jeher – nicht ganz von ungefähr –nur mit „Muttersöhnchen“ anspricht und der seine Kritiken bloß aus nichtssagenden schablonisierten Textelementen fabriziert. Er hat – auch er zeigt sich als kläglicher Generationenkämpfer – nur aus Hass gegen seinen komponierenden Vater Musikwissenschaft studiert und ist Kritiker geworden, um diesen zu vernichten – ein Akt, von dem das Muttersöhnchen nur, wenn auch häufig, träumen kann: „Oft habe ich mir vorgestellt, Mama sei tot.“ Denn dann könnte er nicht nur die Kanzlei übernehmen, sondern auch die dauernde Demütigung als Mann hätte ein Ende. Das Muttermonster nämlich agiert nicht nur auf perfide Weise kastrierend und macht seine überaus spärlichen Frauenbekanntschaften zunichte, sondern hält ihn auch in bizarrer Weise mit ihren mächtigen, des Öfteren entblößten Körperformen in ambivalent ödipaler Geiselhaft. So hat sie etwa ein sardonisches Vergnügen daran, betrunken ihre ekstatisch verehrten Tenöre zu hören und dabei vor dem Sohn zu masturbieren. Dieser Mutterkörper ist ein nahezu klassischer gargantuesk-grotesker Leib, wie auch die geschilderten Verhältnisse und Figuren im Roman grotesk bzw. jenseits der Realitätsgrenzen angesiedelt sind. Denn realistisches Schreiben war nie Kennzeichen von Günther Freitags Poetik, seine Gegenwelten bieten satirisch überzeichnete, groteske oder absurde, jedenfalls verschobene Perspektiven auf die Verhältnisse.

Als die Mutter einen Schlaganfall erleidet, sieht der Sohn die Chance, sich ein wenig zu emanzipieren.Er zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, beginnt sich schicker zu kleiden und: Er entdeckt den Gesang von Anna Netrebko für sich: „Annas Stimme ist mein Schutzwall gegen Mama.“ Mit Anna, der er leidenschaftlich verfällt und mit der er lange phantasmatische Gespräche führt, will erden Tenören der Mutter kontern. Doch diese, wieder einigermaßen genesen, pariert sein jämmerliches Ansinnen wie gewohnt: „Dass ich meine Zeit mit Pornofilmen vergeude, habe sie hingenommen, mein plötzlich erwachtes Musikinteresse könne sie nicht ernstnehmen. Das sei doch bloß ein weiterer kindischer Versuch, mich mit ihr zu messen.“Ihr Kampf gegen seine abgöttische Verehrung von„Putins Schätzchen“ ist unerbittlich. Diese intermedialen Passagen, in denen musikalische Gefechte ausgetragen werden, sind wahrhafte Gustostückchen für den Opernliebhaber, und es sind treffliche Karikaturen von kulturbeflissenen Hörgewohnheiten, die auf Halbbildung beruhen. Als der Sohn die Sängerin Erica kennenlernt, die ihm auf höchst verquere Weise zur Anna wird, und die Mutter diese Beziehung nicht engagiert hintertreibt, erfasst den Leser die untrügliche Ahnung, dass sich die Handlung zur finalen Katastrophe hin steigert.

     

     
Kleine Zeitung  

Mit Anna in ein Paralleluniversum

Günther Freitag präsentiert heute im Klagenfurter Musil-Museum seinen neuen Roman. Eine Würdigung von Gerhard Melzer*.

Bücher sind Spiele, die Autoren mit ihren Lesern spielen. Den Auftakt zu diesem Spiel gibt meist schon der Titel. Er weckt Erwartungen. Ob und wie sie eingelöst werden, prägt den Fortgang des Spiels. Keine Frage, dass der Titel von Günther Freitags jüngstem Roman ganz besondere Erwartungen weckt. Anna Netrebko, die berühmteste Operndiva der Jetztzeit, werde entführt: Das verspricht Glamour und Krimispannung. Beides allerdings liefert Freitag nur sehr bedingt. Der Glanz erweist sich als Abglanz, und die Spannung verdankt sich keinem Kriminalgeschehen, sondern dem tiefen Einblick in eine neurotische Psyche.

Der Ich-Erzähler des Romans ist ein Schwächling, unterdrückt von seiner Mutter, einer erfolgreichen Anwältin, die ihrem Sohn kaum Spielraum für ein selbstbestimmtes Leben lässt. Während sie medienwirksame Prozesse führt, müht sich der Ich-Erzähler mit den Scheinproblemen verschrobener Klienten, eines Architekten etwa, der Bauwerken eine verpflichtende Psychotherapie verordnen will. Die könnte auch ihm nicht schaden, denn mit der Zeit färbt die wahnhafte Weltwahrnehmung der Klienten auf ihn selber ab. Er bildet sich eine Beziehung zu Anna Netrebko ein, die ihn so in Bann schlägt, dass jede leibhaftige Gefährtin dagegen verblassen muss.

Freitag entwickelt die Geschichte dieses Sonderlings mit souveräner Leichtigkeit. Er erzählt sie strikt aus dessen Perspektive, aus dem Inneren eines Bewusstseins, das sich seine eigenen Realitäten schafft. Der Mann ist alles, nur keine Identifikationsfigur, und trotzdem sieht man sich unmerklich verstrickt in sein Paralleluniversum.

Dazu trägt zu einem Gutteil die unfreiwillige Komik bei, die sein Verhalten kennzeichnet. Sie denunziert ihn nicht, stellt ihn nicht bloß, sondern gerät zum Mittel der Kritik an der machtvollen Erfolgswelt der Mutter. Unversehens ertappt man sich dabei, wie sich ins Lachen über den versponnenen Außenseiter das verständnisinnige Lächeln der Sympathie mengt.

Unterschwellig freilich wirkt die Drohung weiter, die dem abgründigen Wahn des Ich-Erzählers innewohnt. Sie bestimmt dann vor allem den Schluss des Romans, der die Leichtigkeit des Erzähltons auf irritierende Weise zurechtrückt. Das Spiel, das Günther Freitag hier spielt, bleibt bis zuletzt offen, und es erweist ihn als einen Autor von hoher Kunstfertigkeit, dem längst eine größere Leserschaft zu

     

     
buecherschau.at  

Roman um ein Muttersöhnchen

In den Augen seiner Mutter ist er ein Versager – sie, eine berühmte Anwältin mit eigener Kanzlei, die spektakuläre Fälle der Reichen und Schönen verhandelt. Ihr Sohn, ein Muttersöhnchen, das noch zu Hause lebt, keine Frau hat (außer hin und wieder einmal eine Prostituierte) und dem man keine schwierigeren Fälle anvertrauen kann. Und er erträgt die Schmähungen seiner Mutter stoisch, ihre Erniedrigungen und Missachtungen seiner Person. Denn er weiß, dass er es sehr wohl könnte – schwierige Fälle verhandeln, eine Frau haben, eine Familie gründen. Aber er kommt gegen die dominante Mutter nicht an. Also flüchtet er sich in seine ganz privaten Träume, in denen die Opernsängerin Anna Netrebko seine Heldin ist.
Alles begann damit, dass er sich diese CD gekauft hatte. Und plötzlich meinte er zu verstehen, was seine Mutter, die Opernnärrin, vermutlich empfinden musste, wenn sie die berühmten Arien der „Italiener“ hörte. Mama war übrigens, nachdem sie sich an Pavarotti satt gehört hatte, zu Jonas Kaufmann übergegangen, was rein optisch gesehen ein ziemlicher Gewinn war! Als er dann auch noch dank eines ehemaligen Mitschülers, der jetzt Opernkritiken schreibt, die Bekanntschaft einer echten Opernsängerin macht, und die sich auch noch für ihn interessiert, gelangt er emotionell ganz schön in Schwierigkeiten.
Günther Freitag gibt uns wortreich Einblick in das vertrackte Seelenleben seines Protagonisten und versteht es geschickt, uns in seine Welt hineinzuversetzen, und mit ihm die richtigen Personen zu hassen oder zu lieben.

     

     
Faces of Books  

Der Icherzähler ist ein bedauernswürdiges Muttersöhnchen, die Mutter ein Anwalts-Ekel und  Operntenor-Fanatikerin. Sie führt als öffentlich geachtete Anwältin prominente Prozesse, ihr Sohn dagegen arbeitet ebenso in der Kanzlei, muss sich aber mit juristischem Kleinkram und obskuren Klienten zufrieden geben. Die opernbesessene Mutter unterdrückt ihren Sohn, der so zu keiner eigenen Identität finden kann. Seine Liebesbeziehungen scheitern zunächst. Mit Machtspielen mischt sich das Ekelpaket ständig in die Arbeit und das Leben des Jungen ein. Hunde heißen Karajans, die Wiener Opernszene, die Klassikbranche ist die Handlungskulisse für diese groteske Romanhandlung, in der bald die russische Operndiva und Putinfreundin  Anna Netrebko die Hauptrolle spielen wird. Warum, berichten wir etwas später.

Die Muttertreibt es mit Korpsstudenten: “Beim Sex sei es wie in der Oper: auf die Besetzung komme es an...“ Regnet es, hört sie Pavarotti, scheint die Sonne, dann passt die Stimme von Corelli. Der Sohn arrangiert sich in das Abhängigkeitsverhältnis, denn er ist ein „Virtuose der Niederlagen“, wie er bekennt.

Er vergleicht die Skrupellosigkeit seiner Mutter mit jener der größten Diktatoren der Weltgeschichte. Im CD-Laden kauft der Erzähler mit der Frage, welche weiblichen Stimmen derzeit angesagt seien, eine Netrebko-Disc,  „Sempre libera“. Er steigert sich in ein phantasiertes Liebesverhältnis hinein, träumt von Anna, spricht mit ihr, teilt mit der Opernsängerin sein Alltagsleben, hängt ein CD-Coverfoto von Anna an die Wand, bewundert sie und Annas Stimme ist der „Schutzwall gegen Mama“.

Der Leser leidet mit dem Opfer, freut sich über Befreiungsversuche, lacht, wenn über Opernregisseure gelästert wird, weil sie die Opernchoristen in Businessanzüge oder Naziuniformen stecken und so moderne Opernregie definieren, oder Opernkritiker als „Spatzenhirne“ bezeichnet werden, die im Hotelzimmer nach Premieren ihre eigenen Notizen nicht mehr lesen können, weil der Alkohol ihre kritischen Hirne vernebelt.

Wie das „Sklavenverhältnis“  zwischen Mutter und Sohn sich am Ende entwickelt, soll hier hinter dem Opernvorhang bleiben und nicht souffliert werden. Günther Freitag, dessen „Brendels Fantasie“ in der Elke-Heidenreich-Edition bei  Bertelsmann erschienen ist, verdient eine größere Aufmerksamkeit in der literarischen Öffentlichkeit, wie der Kölner Stadtanzeiger anmerkt. Jawohl! Das Buch ist treffgenau entwickelt, einfühlsam geschrieben, fasziniert durch die Anordnung der handelnden Personen, kommt ohne direkte Dialoge aus, ist an keiner Stelle langweilig und lässt sich sogar lesen von Menschen, die weder von Peymann, noch von Netrebko und schon gar nicht von Pavarotti etwas gehört haben. Ein Buch wie ein Notenschlüssel, rätselhaft verschlungen, geheimnisvoll. Melodisch!


Norbert Schreiber - Faces of Books
     

     
Alpha - Frauen für die Zukunft   Eine erfolgreiche, despotische Mutter, die Heldentenöre verehrt und ihren Sohn gängelt und unterdrückt. Ein im Internat aufgewachsenes, ungewolltes Kind – als Ich-Erzähler ein erwachsener Mann - , das seiner Mutter nichts recht machen kann. Eine Schwärmerei für die Opernsängerin, die zu einer Obsession wird. Und das alles vor den Kulissen von Wien. Das sind die Zutaten, aus denen dieser Roman besteht.
Wie gelingt es dem Protagonisten aus dieser schier aussichtslosen Lage herauszukommen und seine Träume zu leben? 
Die Geschichte präsentiert sich wie eine verschlungene, unwirkliche Inhaltsangabe zu einer Oper, die aber trotzdem fesselt und einem bis zum Schluss nicht loslässt.
     

     
Film, Sound Media  

Muttersöhnchen mit Schweinsohren

„Obwohl Mama Verdi und Puccini über alles liebt und keine Premiere in der Staatsoper versäumt, ist sie ein ausgemachtes Ekel. Mit einer entsetzlichen Stimme, der die leisen Töne fremd sind …“, so beschreibt der Mitte Vierziger seine dominante Mutter, in deren Rechtsanwaltskanzlei er arbeitet und in ihrer 1.-Bezirk-Wohnung er lebt. Sie ist der Star, er bekommt die nichtigen Fälle, wobei dies dem Autor Günther Freitag die Gelegenheit gibt, skurrile Charaktere in die Geschichte einzuführen. Vordergründig geht es um die Emanzipation eines Muttersöhnchens mithilfe von Musik, genauer gesagt der Magie der schönen Anna Netrebko, hintergründig eher darum, dass Freitag nach allen Seiten hin austeilt. Das erinnert anfangs an Thomas Bernhard, aber irgendwann wird die Bosheit der Kommentare zu offensichtlich. Trotzdem liest man gespannt weiter, um rauszukriegen, ob der Sohn seinen Kampf schafft.

Irene Schwingenschlögl

     

     
Kleine Zeitung Kärnten   Tagtraum. Eine dominante Mutter, ein schwächlicher Sohn: Sie ist Staranwältin, der Sohn ist in ihrer Kanzlei mit obskuren Klienten und Querulanten beschäftigt. Einzig in der Musik glaubt er, ihr ebenbürtig sein zu können – dabei verschwimmen Tagtraum und Wirklichkeit allerdings immer mehr. Ein unterhaltsamer Einblick in familiäre Abhängigkeiten.

Günther Freitag: Die Entführung der Anna Netrebko. Wieser, 260 S., 21 Euro
     

     
Kuratorium Fortuna  

Günther Freitag Die Entführung der Anna Netrebko Die Mutter des Icherzählers ist eine erfolgreiche Anwältin, die ihren Sohn unterdrückt. Sie führt die medienwirksamen Prozesse, er darf sich mit obskuren Klienten abmühen. Ohne Vater aufgewachsen, in Internaten erzogen, spielt er in der Kanzlei seiner Mutter eine inferiore Rolle. Erst als er sich ebenfalls auf die Welt der opernbesessenen Mutter einlässt, gelingt ihm ein Befreiungsschlag. Er verliebt sich in eine Choristin, verehrt Anna Netrebko und setzt der Tenorverehrung der Mutter einen grandiosen Sopran entgegen.

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Radio Helsinki  

In den Büchern von Günther Freitag spielt Musik oft eine wichtige Rolle. In den neuen Roman „Die Entführung der Anna Netrebko“ ist viel von seinem umfangreichen Wissen über die Oper eingeflossen. Doch es ist kein Bildungsroman geworden, sondern eine tiefschwarze Satire auf eine Mutter-Sohn-Beziehung. Dass Günther Freitag gern mit satirischer Überzeichnung arbeitet, hat man unter anderem schon am 2013 erschienenen Erzählband Café Olympia gesehen. Auch der Roman Die Entführung der Anna Netrebko bietet viele Gelegenheiten zum Kichern, so der Leser nur ein Quentchen schwarzen Humor besitzt.
Günther Freitag erzählt darin die Geschichte einer Mutter-Sohn-Beziehung, wie sie schlechter nicht sein könnte. Die Mutter, erfolgreiche Anwältin, Opernliebhaberin und ungeheuer dick, unterdrückt und demütigt ihren Sohn, wo sie nur kann. Dieser hadert zwar mit seinem Schicksal, unternimmt aber nichts, um sich auf die eigenen Füße zu stellen. Sein freudloses Leben ändert sich erst, als er sich aufgrund ihres Fotos auf einem CD-Cover unsterblich in die Sängerin Anna Netrebko verliebt und – quasi als Ersatz für die Unerreichbare - eine Beziehung mit einer Chorsängerin eingeht.
… sehr unterhaltsames Kunststück von heillosem Versagertum und operngeilem Muttermonstrum… (Ingrid Traversa)

Barbara Belic, Radio Helsinki

     

     
Anzeiger - Magazin für die österr. Buchbranche   Mama ist eine erfolgreiche Anwältin, machtgierig und Tenor-besessen. Dass der Sohn ein Virtuose in Niederlagen ist, verwundert nicht. Doch dann verliebt er sich selbst unsterblich in Anna Netrebko ... Günther Freitag nimmt die Musikbesessenheit mancher Zeitgenossen gnadenlos aufs Korn und liefert treffliche Psychogramme von Siegern und Verlierern,
von Phantasten und von Idealisten - schräg, witzig und berührend.
     

     
leoben-prompt   Mama ist eine erfolgreiche Anwältin, die Politiker und Manager verteidigt, sie ist skrupellos, machtgierig und ebenso herrschsüchtig wie gefühlskalt. Kein Wunder, dass der Sohn der geborene Verlierer ist, erzogen von Gouvernanten und später im Internat bei den Benediktinern. Die erste ernstzunehmende Freundin hat Mama sofort in die Flucht geschlagen, und auch sonst lässt sie keine Gelegenheit aus, ihren Sohn zu demütigen. „Ich bin ein Virtuose in Niederlagen“, sagt dieser von sich selbst. (Foto: Michael Freitag)

Jetzt ist er Mitte Vierzig und ebenfalls Anwalt in Mamas Kanzlei, zuständig für die kleinen, uninteressanten Fälle. Diesen Klienten widmet sich der Sohn mit großer Aufmerksamkeit und ist auch durch deren Verrücktheiten nicht aus der Fassung zu bringen – wie von jenen Valentin Siebenklars, Architekt und Stadtbaumeister i.R., der sich in einer Provinzstadt um das Seelenleben von Gebäuden kümmert und daher zwangspensioniert wurde, oder durch seinen Neffen Jakob, einen Hypochonder, der einen musikalischen Pudel namens Karajan täglich spazieren führt und ihm im Kaffeehaus Sachertorte mit Schlagobers servieren lässt.

Es sind der scharfe Blick dieses Erniedrigten und Beleidigten auf seine skurrilen Klienten und der grimmige Humor, mit dem er sein Leben reflektiert, die bisweilen an Thomas Bernhard denken lassen. Dieses Leben ändert sich an dem Tag, als seine Mutter durch einen Infarkt für längere Zeit im wahrsten Sinn des Wortes außer Gefecht gesetzt wird – der Sohn verändert sein Outfit und Auftreten in der Kanzlei. Auch beschließt er, der Verehrung seiner Mutter für Tenöre wie Jonas Kaufmann einen Sopran entgegenzusetzen – und verliebt sich unsterblich in Anna Netrebko. Diese Liebe ist so heftig, dass unser Held mehr in seiner Traumwelt denn in der Realität lebt...

Günther Freitag nimmt in diesem grandiosen Roman aus dem Wieser Verlag nicht nur die Musikbessenheit mancher Zeitgenossen gnadenlos aufs Korn, er liefert auch treffliche Psychogramme von Siegern und Verlierern, von Phantasten und von Idealisten – ebenso schräg und witzig wie berührend.

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Tiroler Tageszeitung Online  

Nicht nur für Muttersöhnchen: Günther Freitag „entführt“ Anna Netrebko

Wien (APA) - Die Mutter ist laut, dick, arrogant, steht als Anwältin in der Öffentlichkeit und masturbiert zu Arien ihrer Lieblingstenöre. Ihren in der Kanzlei niedrige Arbeiten verrichtenden Sohn behandelt sie wie Dreck. Kein Wunder, dass dieser sich in eine Scheinwelt flüchtet. Den Weg dorthin beschreibt Günther Freitag in seinem kunstinnigen wie unterhaltsamen Roman „Die Entführung der Anna Netrebko“.
Vorweg - bei dem im Wieser Verlag erschienenen Roman handelt es sich weder um einen Krimi noch um eine Komödie à la „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“. Vielmehr schildert der 63-jährige im steirischen Leoben lebende Autor den tristen Alltag eines knapp über 40-jährigen Mannes, den er in der Ich-Form durch das bürgerliche Wien schickt, in dem seine übermächtige Mutter ihn vom Erwachsenwerden ausschließt. Während er lustlos kleine, uninteressante Fälle beackert, tritt sie bei großen Fällen ins Scheinwerferlicht der Kameras. Zu allem Überdruss teilen sich die beiden auch noch eine Wohnung, in der der Sohn lediglich dazu da ist, für die Mutter CDs einzulegen und sich als Versager beschimpfen zu lassen.

„Mama stört alles an mir. Meine Körpersprache findet sie linkisch, an jeder meiner Gesten und Bewegungen sei die Unsicherheit des geborenen Versagers zu erkennen“, steckt Freitag die Fremdcharakterisierung bald ab. „Meine Stimme sei zu leise, noch dazu in einer unangenehmen Tonlage, von der Sprechmelodie ganz zu schweigen. Gegen die sei ja die Zwölftonmusik der reinste Belcanto, was mir nichts sagen werde, denn ich verstünde von Musik ja noch weniger als von der Rechtsprechung.“ Fachausdrücke aus dem Opernbereich finden sich auf den 260 Seiten ebenso wie jene aus der Juristerei. Beiden Sphären nähert sich der Ich-Erzähler an, als seine Mutter krankheitshalber kürzertreten muss und den Sohn für einige Wochen sich selbst überlässt.

Hat seine Mutter bisher noch jegliche Liebesbeziehung im Keim erstickt, lernt er durch einen Zufall eine junge Chorsopranistin der Staatsoper kennen. Parallel dazu entdeckt er in einem Plattengeschäft eine CD von Anna Netrebko, in die er sich augenblicklich verliebt. Nach und nach wird seine neu entdeckte Opern-Affinität zur Besessenheit, Tagtraum und Wirklichkeit verschwimmen immer mehr. Da hat der Anwalt alle Hände voll zu tun, seine Geheimnisse zu bewahren: vor seiner Mutter, seiner neuen Freundin und natürlich Anna, deren Bild er sich in Postergröße ins Schlafzimmer gehängt hat.
Im Laufe der Handlung vermag es Freitag, seinem Protagonisten durch Rückblenden ins Internat oder kuriose Klienten immer mehr Profil zu verleihen. So wird er von einem ehemaligen Schulkollegen, der mittlerweile zum renommierten Kulturjournalisten aufgestiegen ist, coram publico als „Muttersöhnchen“ bezeichnet, ein Klient aus der Provinz nervt ihn mit Rechtsstreitigkeiten rund um die Gefühle von Gebäuden. Den Höhepunkt der Demütigung bildet Mutters Entscheidung, die Kanzlei zu verkaufen, statt sie ihrem Sohn zu überschreiben.

Wie und auf welche Weise es schließlich zur „Entführung der Anna Netrebko“ kommt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Der Weg dorthin bietet jedoch einen unterhaltsamen Einblick in familiäre Abhängigkeiten, bürgerliches Kunst- und Kulturverständnis und ungewöhnliche Begegnungen im Rotlichtmilieu. Wie sich ein Mann in den eigentlich besten Jahren mit eigentlich besten Voraussetzungen unheilbar verrennen kann, zeigt Günther Freitag mit viel Liebe zum Detail, ohne seinen Protagonisten aber je bloßzustellen. Ein Buch nicht nur für Opernfans und Muttersöhnchen.

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Neues Volksblatt  

Günther Freitag: Die Entführung der Anna Netrebko

Die Mutter ist laut, dick, arrogant und steht als Anwältin in der Öffentlichkeit. Ihren in der Kanzlei niedrige Arbeiten verrichtenden Sohn behandelt sie wie Dreck. Kein Wunder, dass dieser sich in eine Scheinwelt flüchtet. Den Weg dorthin beschreibt Günther Freitag in seinem kunstinnigen wie unterhaltsamen Roman "Die Entführung der Anna Netrebko", der übrigens kein Krimi ist und auch keine Komödie. Vielmehr schildert der Autor den tristen Alltag eines knapp über 40-jährigen Mannes, den er in der Ich-Form durch das bürgerliche Wien schickt, in dem seine übermächtige Mutter ihn vom Erwachsenwerden ausschließt. Als seine Mutter krankheitshalber kürzertreten muss, überlässt sie den Sohn für einige Wochen sich selbst. Durch einen Zufall lernt er eine junge Chorsopranistin der Staatsoper kennen. Parallel dazu entdeckt er eine CD von Anna Netrebko, in die er sich augenblicklich verliebt. Nach und nach wird seine Opern-Affinität zur Besessenheit, Tagtraum und Wirklichkeit verschwimmen immer mehr. Da hat der Anwalt alle Hände voll zu tun, seine Geheimnisse zu bewahren. Freitag bietet einen unterhaltsamen Einblick in familiäre Abhängigkeiten, bürgerliches Kunst-und Kulturverständnis und ungewöhnliche Begegnungen im Rotlichtmilieu. Wie sich ein Mann in den eigentlich besten Jahren mit eigentlich besten Voraussetzungen unheilbar verrennen kann, zeigt der Autor mit viel Liebe zum Detail, ohne seinen Protagonisten je bloßzustellen.

     

     
woche.at  

Aus der Provinz an das Licht einer breiten Öffentlichkeit

Der Leobener Günther Freitag hat einen neuen Roman im Wieser-Verlag veröffentlicht.

LEOBEN. "Obwohl Mama Verdi und Puccini über alles liebt und keine Premiere in der Staatsoper versäumt, ist sie ein ausgemachtes Ekel. Mit einer entsetzlichen Stimme, der die leisen Töne fremd sind ...": So beginnt Günther Freitags neuer Roman "Die Entführung der Anna Netrebko".

Seit 35 Jahren versucht sich der Leobener Gymnasialprofessor als Schriftsteller. Mit großem Erfolg. Mittlerweile sind es zwölf Bücher, die er herausgegeben hat. Anfangs im Literaturverlag Droschl, seit 2006 ist er Autor für den Wieser Verlag. "Brendels Fantasie" (2009) wurde auf Englisch und sogar Japanisch übersetzt und hat Freitags Werke einem internationalen Leserkreis eröffnet.

Die Welt der Oper

Doch zurück zum neuen Buch, "Die Entführung der Anna Netrebko": Mama ist eine erfolgreiche Anwältin, die Politiker und Manager verteidigt, sie ist skrupellos, machtgierig und ebenso herrschsüchtig wie gefühlskalt. Kein Wunder, dass der Sohn der geborene Verlierer ist, erzogen von Gouvernanten und später im Internat bei den Benediktinern. Die erste ernstzunehmende Freundin hat Mama sofort in die Flucht geschlagen, und auch sonst lässt sie keine Gelegenheit aus, ihren Sohn zu demütigen.

Ich bin ein Virtuose in Niederlagen", sagt dieser von sich selbst. Jetzt ist er Mitte Vierzig und ebenfalls Anwalt in Mamas Kanzlei, zuständig für die kleinen, uninteressanten Fälle. Diesen Klienten widmet sich der Sohn mit großer Aufmerksamkeit und ist auch durch deren Verrücktheiten nicht aus der Fassung zu bringen. Wie Valentin Siebenklar, Architekt und Stadtbaumeister i.R., der sich in einer Provinzstadt um das Seelenleben von Gebäuden kümmert und daher zwangspensioniert wurde, oder dessen Neffe Jakob, ein Hypochonder, der einen musikalischen Pudel namens Karajan täglich spazieren führt und ihm im Kaffeehaus Sachertorte mit Schlagobers servieren lässt.

Flucht in eine Traumwelt

Es ist der scharfe Blick dieses Erniedrigten und Beleidigten auf seine skurrilen Klienten und der grimmige Humor, mit dem er sein Leben reflektiert, der bisweilen an Thomas Bernhard denken lässt.

Dieses Leben ändert sich an dem Tag, als seine Mutter durch einen Infarkt für längere Zeit im wahrsten Sinn des Wortes außer Gefecht gesetzt wird. Der Sohn ändert sein Outfit und sein Auftreten in der Kanzlei. Auch beschließt er, der Verehrung seiner Mutter für Tenöre wie Jonas Kaufmann einen Sopran entgegen zu setzen - und verliebt sich unsterblich in Anna Netrebko. Diese Liebe ist so heftig, dass unser Held mehr in seiner Traumwelt denn in der Realität lebt …

Der Autor Günther Freitag nimmt in diesem Roman nicht nur die Musikbesessenheit mancher Zeitgenossen gnadenlos aufs Korn, er liefert auch treffliche Psychogramme von Siegern und Verlierern, von Phantasten und von Idealisten – ebenso schräg und witzig wie berührend.

Ein großes (und treffendes) Kompliment kommt vom Kulturressort des Kölner Stadtanzeigers: "Günther Freitag verdient es, aus den Winkeln der steiermärkischen Provinz ans Licht einer breiten literarischen Öffentlichkeit geholt zu werden."

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Vorarlberger Nachrichten  

"Die Entführung der Anna Netrebko"

Auf welche Weise es zur Entführung der Operndiva im Roman von Günther Freitag (Verlag Wieser) kommt, sei nicht verraten. Der Weg dorthin bietet jedoch einen unterhaltsamen Einblick in familiäre Abhängigkeiten, bürgerliches Kulturverständnis und Begegnungen im Rotlichtmilieu. 
     

     
Chefinfo   Die erfolgreiche Anwältin unterdrückt ihren Sohn. Er, der Ich-Erzähler, spielt in ihrer Kanzlei eine inferiore Rolle. Erst, als er sich auf die Welt der opernbesessenen Mutter einlässt, gelingt ihm der Befreiungsschlag. Schräg, witzig, berührend.
     

     
Leoben Stadtmagazin   Die Entführung der Anna Netrebko

Soeben ist als zwölftes Buch der neue Roman des ersten Leobener Kulturpreisträgers Günther Freitag bei Wieser erschienen

„Die Entführung der Anna Netrebko“ stellt eine problematische Mutter-Sohn-Beziehung in den Mittelpunkt. Die Mutter des IchErzählers, eine erfolgreiche Anwältin, unterdrückt ihren Sohn, in seiner Schwäche ein leichtes Opfer ihrer Machtspiele. Während sie medienwirksame Prozesse führt, muss er sich mit obskuren Klienten abmühen und findet zu keinem eigenen Leben. Schon allein deshalb nicht, weil ihn seine Fälle immer wieder tief in die Scheinwelten von Fantasten und notorischen Querulanten reißen, deren Klagen sie von ihrer misslungenen Existenz ablenken. Aufgewachsen ohne Vater und erzogen in Internaten, spielt der Sohn eine lächerliche Rolle in der Kanzlei der opernbesessenen Mutter, die auch sein Sexualleben so lange hemmt, bis er sich selbst auf die Musik einlässt. Er beginnt eine Beziehung mit einer Sopranistin des Staatsopernchors, nachdem er Anna Netrebko gesehen hat, setzt der orgiastischen Tenorverehrung der Mutter seine Faszination entgegen, vermengt dabei aber notgedrungen immer stärker die Identität seiner Geliebten mit jener seiner Anna.

     

     
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"Obwohl Mama Verdi und Puccini über alles liebt und keine Premiere in der Staatsoper versäumt, ist sie ein ausgemachtes Ekel. Mit einer entsetzlichen Stimme, der die leisen Töne fremd sind ..." So beginnt Günther Freitags grandioser Roman "Die Entführung der Anna Netrebko".

Mama ist eine erfolgreiche Anwältin, die Politiker und Manager verteidigt, sie ist skrupellos, machtgierig und ebenso herrschsüchtig wie gefühlskalt. Kein Wunder, dass der Sohn der geborene Verlierer ist, erzogen von Gouvernanten und später im Internat bei den Benediktinern. Die erste ernstzunehmende Freundin hat Mama sofort in die Flucht geschlagen, und auch sonst lässt sie keine Gelegenheit aus, ihren Sohn zu demütigen. "Ich bin ein Virtuose in Niederlagen", sagt dieser von sich selbst.

Jetzt ist er Mitte Vierzig und ebenfalls Anwalt in Mamas Kanzlei, zuständig für die kleinen, uninteressanten Fälle. Diesen Klienten widmet sich der Sohn mit großer Aufmerksamkeit und ist auch durch deren Verrücktheiten nicht aus der Fassung zu bringen – wie Valentin Siebenklar, Architekt und Stadtbaumeister i.R., der sich in einer Provinzstadt um das Seelenleben von Gebäuden kümmert und daher zwangspensioniert wurde, oder dessen Neffe Jakob, ein Hypochonder, der einen musikalischen Pudel namens Karajan täglich spazieren führt und ihm im Kaffeehaus Sachertorte mit Schlagobers servieren lässt.

Es ist der scharfe Blick dieses Erniedrigten und Beleidigten auf seine skurrilen Klienten und der grimmige Humor, mit der er sein Leben reflektiert, der bisweilen an Thomas Bernhard denken lässt.

Dieses Leben ändert sich an dem Tag, als seine Mutter durch einen Infarkt für längere Zeit im wahrsten Sinn des Wortes außer Gefecht gesetzt wird - der Sohn ändert sein Outfit und sein Auftreten in der Kanzlei. Auch beschließt er, der Verehrung seiner Mutter für Tenöre wie Jonas Kaufmann einen Sopran entgegen zu setzen - und verliebt sich unsterblich in Anna Netrebko. Diese Liebe ist so heftig, dass unser Held mehr in seiner Traumwelt denn in der Realität lebt …

Günther Freitag nimmt in diesem Roman nicht nur die Musikbesessenheit mancher Zeitgenossen gnadenlos aufs Korn, er liefert auch treffliche Psychogramme von Siegern und Verlierern, von Phantasten und von Idealisten – ebenso schräg und witzig wie berührend.

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