.: Kver - Rezensionen










Pressespiegel
     
 

Der Hauptplatz-Kurtl Cobain, ein Wahlgrazer
„Quer.Sampler“ - Literatur trifft auf Pop und umgekehrt. Crossover-Sprachmusik also.

Was haben Elvis, Kurt Cobain und andere Musikgrößen gemeinsam? Laut Wolfgang Pollanz, Initiator des Projekts „Quer.Sampler“, haben sie sich zu ihren Glanzzeiten alle in Graz, der „heimlichen Hauptstadt des Rock ’n’ Roll“ niedergelassen.
Grund genug, die CD „Kve:r“, Produkt eines interdisziplinären Projekts zwischen Literatur und Pop im Rahmen von „Sprachmusik Graz 2003“, im Grazer Literaturhaus zu präsentieren. Für die dritte Themen-Compilation der Pumpkin Records lieferten österreichische Autoren, wie Franzobel oder Monika Wogrolly die unterschiedlichsten literarischen Vorlagen, von Songtexten bis zu Romanauszügen. Für eine vielfältige musikalische Bandbreite sorgen Bands und Musiker wie Portnoy oder Lassos Mariachis, die mit einem Humor, so trocken wie die Wüste Mexikos, auch vor Ort mehr als überzeugten. (DB)

"Kleinen Zeitung"

 

     
Skug  

Laut Lexikon wird quer referenziert von schräg, und schräg im positiven Sinn ist der Quer-Sampler, der Musik und Literatur miteinander verbindet, auch geworden. Ausgangspunkt waren Texte von AutorInnen wie Franzobel, Lilian Faschinger, Bodo Hell, Martin Amanshauser, Günther Freitag und Andrea Sailer. Nach dem Intro des Projektinitiators Wolfgang Pollanz wird ein breiter Bogen quer durch unterschiedlichste msuikalische Landschaften gespannt, der schließlich im wissenschaftlichen Diskurs über die „Sprrrachmusssik“ (Schandor/DJ Kolchos & DJ Sowchos) ausklingt. Dazwischen tummeln sich Der Schwimmer, Portnoy, Clemens Haipl oder Gelée Royale, die Martin Amanshauser Text „Vittorio Brambilla“ vertonen. Highlights liefern das mulp, Ultrascope und Fritz Ostermayer, der dem Kärntner Liedgut die Ehre erweist. Außerdem Norbert Trummer, der Junge mit der Ukulele, in Zusammenarbeit mit Franzobel („Loand schafft Seiten“). Auch die grandiosen Lassos Mariachis präsentieren die CD am 17.7. im Rahmen von Graz 2003 im neuen Literaturhaus.

Manfred Halowe in skug 55/03

 

     
Korso  

Für die einen ist es eine Tiefgarage für Hochstapler, für die anderen der teuerste Alterswohnsitz der Welt: das Literaturhaus mit dem kunstmarktwirksamen Standort Kulturhauptstadt 2003, Graz, Europa, dessen Hausherr Gerhard Melzer im vergangenen Winter mit seinem „Nussreise“-Projekt auf sich aufmerksam machte. In Zusammenarbeit mit Nachwuchspoeten aus St. Petersburg sollte unter dem Titel „Bolschewik Sprrrachmusssik“ eine „serielle Rockoper“ (Mika Kylästö) mit – scheinbar willkürlich ausgewählten – Motiven aus der Realität entstehen, für die melodramatische Inszenierung konnte Luciano Berio gewonnen werden. Die „Nussreise“ spielt vor der Kulisse eines weltfremden, entrückten Vorstadtkleinbürgertums einer beliebigen Metropole, in der der Protagonist, ein zur Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert lebender Student, in einer (scheinbar) metaphorischen Bewegung ziellos durch eine zunehmend an Schärfe verlierende Peripherie schlingert, bis sich die Bewegung zu einer Epiphanie der Kreisförmigkeit auswächst, die beständig auf eine Beschleunigung der Erzählstruktur zu drängen scheint. Am Ende steht der Fall des Nichtigen ins Nichts, das Berio dem Publikum – man beachte den humorvollen Anklang an die Romantik – als „großes Loch“ vor Augen zu führen trachtete. Aus all dem wurde nichts: Berio starb vor der Vollendung des Werkes, und Gerhard Melzer konnte nach langen Rechtsstreitigkeiten mit der Nachlassverwaltung wenigstens die Veröffentlichung jener bereits fertig gestellten Passagen durchsetzen, die er alleine – virtuos abwechselnd auf Schreibmaschine und Konzertflügel in die Tasten greifend – komponiert und aufgenommen hatte.

Was mit Melzers Projekt in Zukunft geschieht, steht dennoch in den Sternen und ist auch nicht weiter interessant. Ein anderer Tonträger aus dem Literaturhausumfeld wird aber schon demnächst der Weltöffentlichkeit präsentiert (17. Juli, 20 Uhr, Literaturhaus Graz): Wolfgang Pollanz, Mastermind von „Pumpkin Records“, hat österreichische SchriftstellerInnen und MusikerInnen eingeladen, musikalische und textliche Kleinode rund um die Themen Pop und Sprache zu fabrizieren. Klingende Namen wie Clemens Haipl, Fritz Ostermayer, Martin Amanshauser, Monika Wogrolly oder Franzobel sind der Einladung gefolgt, und ja: auch wir selbst haben gemeinsam mit Werner Schandor (Text) einen achtstimmigen Kanon beigesteuert. Das Ergebnis ist ein Plädoyer für Eleganz und Seriosität im Umgang mit Literatur, eine vorsichtige Bitte um mehr Authentizität im Schreiben über die und im Beschreiben der Schreibenden. V.A.: Quer. Sampler – Literatur und Pop (pumpkin records, Hoanzl).

DJ Kolchos & DJ Sowchos in Korso, Graz

 

     
 
Sprachmusik und Todespop
Der Sampler „Quer“ vereint Pop und Literatur

„10.000 kopierte CDs vernichten eine Nachwuchsband“: Mit dieser Textzeile beginnt „Garz“, eine sprachlich-musikalische Kooperation zwischen der Formation „Monochrom“ und „Der Schwimmer“. Fazit des rhythmisch vorgetragenen skurril-ironischen Thesenpapiers: „Keine Macht für die, die es schon immer gewusst haben.“
„Garz“ ist eine von 14 Nummern auf dem eben erschienenen „Quer.Sampler“ (pumpkinrecords), welcher das heikle Ziel verfolgt, Literatur ind Pop zu vereinen.
Für das im Rahmen „Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas“ entstandene Projekt „Sprachmusik“ haben sich Paarungen aus beiden Genres gebildet, die Ergebnisse sind irgendwo zwischen den frühen Einstürzenden Neubauten und Skispringerlieder-Charme, zwischen Fred-vom-Jupiter-Beats und gängiger Kunstradio-Avantgarde angesiedelt.
Die reizvollsten Symbiosen? Wenn die „Lassos Mariachis“ den Günther-Freitag-Text „Faro Triste“ interpretieren, das „mulp“ sich an Hanno Millesi annähert, Eva Ursprung das von Magret Kreidl errichtete „süße Paradies“ zerstört, Norbert Trummer die Heimmatdichter-Seele von Franzobel aufstöbert oder Fritz Ostermayer am Laptop einen – Josef Winkler gewidmeten – Kärntner Todes-Pop bastelt. Schaurig schön.

Salzburger Nachrichten vom 30.7.03, Martin Behr
 

     
Mac Guffin  
KVE:R - QUER.SAMPLER LITERATUR UND POP

Willkommen bei der Neigungsgruppe "Die tun was". Wenn man als Künstler über Jahrzehnte hinweg ein provinzielles Rand-Dasein führen mußte, das zwar geduldet aber selten gelobt wurde, ergibt man sich entweder der Resignation, oder aber man versteht das ländliche Vakuum als Chance und sammelt derart unterschiedliche Ansätze, daß für deren konkrete Umsetzung das Wort "eklektisch" dann fast so gut paßt wie das Wort "Beschäftigungstherapie". Pumpkin Records, die erste Grazer Adresse für verschrobenes Kompilieren, hat nun den QUER.SAMPLER, ein Projekt im Rahmen von Sprachmusik und Graz 2003, im Literaturhaus, der ersten Grazer Adresse für Zurschaustellung verschnupfter Bürgerlichkeit, vorgestellt und dabei deutlich gemacht, daß es zweiteren Weg den Vorzug gibt.
Bei der Erstbesteigung von Musik gegen Literatur steht es nach wie vor 0 : 0
Schon manch große oder durchwachsene Kompilation entstand künstlerisch freigespielt und ohne erkennbare kommerzielle Absichten. Gestärkt und befreit durch Einsichten über geographische Lage und eigene Bedeutung ließe es sich auch freilich frisch fetzen, eine Alliteration übrigens, queren hier doch nicht zwingend eine Veröffentlichung erfordernde Texte teils angesehener Autoren die musikalischen Wege der Ersatzspieler des heimischen Musikschaffens. Andrea Sailer meets Wolfgang Pollanz, Martin Amanshauser meets Gelée Royale, Günther Freitag meets Lassos Mariachis, Franzobel meets Norbert Trummer, ...
Schade also, daß dieser an sich interessanten Kreuzung eine zusätzliche Traverse in die Quere kommt. Denn quer travers durchkreuzt eben jene Reflexion der eigenen Befindlichkeit viele der Tracks, so daß aus dem Projekt "Musik trifft Literatur" eine irgendwie beflissene Simulation wird. Die Neigungsgruppe "Die tun was" spielt: Wir spielen "Wir tun was", und nimmt sich mit dieser mausgrauen Ironie leider und wahrscheinlich vorsorglich jegliche Relevanz.
Ausgenommen seien hier noch ausdrücklich Portnoy, die - der Ungnade geographischer wie marktstrategischer Begebenheiten zum Trotze - hier so intensiv und kompromißlos Lilian Faschinger vertonen, wie man es von ihren Live-Performances kennt.

Mac Guffin







(p) & (c) günther freitag 2011