.: Melancholische Billeteure- Rezensionen

Gebundenes Buch mit Lesenbändchen: 272 Seiten
Verlag: Wieser Verlag
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe
ISBN-10: 3990292552
ISBN-13: 978-3990292556

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Pressespiegel
     
     
Buchhandlung Labyrinth  

Melancholische Billeteure

Günther Freitag: Melancholische Billeteure.
Wieser 2017.

Von singenden Gebissen, toten autoritären Vätern und kriminellen Bewährungshelfern: «Melancholische Billeteure» ist ein Buch für Menschen, die gerne ins Theater (oder in die Oper) gehen, für Menschen, die gerne beissenden schwarzen (Wiener) Humor haben, und für Menschen, die gerne skurrile, aber liebenswürdige Figuren mögen.

Günther Freitag, von Haus aus Autor für das Theater («Drei Traumkongruenzen», 1990 und «Rost», 2010) und Romancier (zuletzt «Die Entführung der Anna Netrebko», 2015), gelingt ein grossartiges, aberwitziges Buch. Im Zentrum des Romans stehen drei Figuren: Edwin, Dora und Viktor. Edwin und Dora sind Billeteure am Burgtheater in Wien – und zwar mit Leib und Seele. Als «Kenner» sind sie für das linke Parkett zuständig, da sitzen nämlich die Leute, die die Stücke sehen wollen, während rechts die Leute sitzen, die gerne im Theater gesehen werden wollen. Edwin und Dora richten ihr Leben nach dem Spielplan im Theater, sie bereiten sich akribisch auf Vorproben, Hauptproben und Generalproben vor, schreiben jede noch so kleine Veränderung im Spiel auf, urteilen über das Regiekonzept und über die Leistung der Schauspielenden. Wobei natürlich immer die Regie schlecht wegkommt (oder der neue Intendant), die Schauspielenden dagegen sind wie Götter für sie. An «der Burg» spielen ja auch nur die Grossen, versteht sich. Edwin und Dora glauben, dass sie als Billeteure entscheidend mitverantwortlich sind für den Erfolg oder Misserfolg eines Theaterabends. Wenn die Leute auf der linken Seite merken würden, dass zwischen ihnen etwas nicht stimmt, dann würde das Unruhe im Parkett geben, die bis über den Bühnenrand in den Bühnenraum schwappen würde und die Schauspielerinnen und Schauspieler würden sich nicht konzentrieren können und folglich schlecht spielen. Die Harmonie unter den Billeteuren gilt es also zu erhalten! Freitag gelingt eine Schilderung des Theaterbetriebs, wie man sie selten liest. Auch wenn alles mit einem grossen Augenzwinkern geschrieben ist, findet man dennoch einige Körnchen Wahrheit in der absurden Welt des Theaters und kann sich ab und an ein lautes Lachen nicht verkneifen.

Doch die Harmonie zwischen Edwin und Dora gerät je länger desto mehr ins Wanken. Denn Viktor, der Exfreund von Dora, wird aus dem Gefängnis entlassen und kehrt ins Leben von Dora zurück. Obwohl sie ihn verachtet, fühlt sie sich stark zu ihm hingezogen und lässt sich wieder auf ihn ein. Edwin, der heimlich in Dora verliebt ist, bemerkt ihre «Affäre» mit diesem «Taugenichts» (wenn «die Burg» das wüsste…) und stellt ihr nach. Dass dies nichts Gutes für «die Burg» heisst, sei hier nur angedeutet.

Als ob dies noch nicht genug Sprengstoff bieten würde, verschachtelt sich der Roman immer mehr. Nebst den drei Hauptfiguren lernen wir nämlich auch die Mütter von Edwin (eine reiche, schnöselige alte Dame mit einem Papagei, den sie mehr liebt als ihren Sohn) und Viktor (eine senile alte Dame die behauptet, ihre Pflegerin wolle sie ermorden) sowie die «Frau Kammersängerin» kennen, die Dora in ihrer Freizeit betreut. Die «Frau Kammersängerin», die Dora «Maman» nennen muss, ist so ziemlich verrückt. Seit sie an ihrer ersten Premiere (vor rund 50 Jahren) keinen Ton herausgebracht hat, hat ihr Sohn es geschafft, sie in eine Scheinwelt zu retten. Er liess Zeitungsartikel fälschen, die von ihren grossen Auftritten schwärmen, hat ihr in ihrer Wohnung eine «Garderobe» gebaut, in der sie in ihrer erfundenen Vergangenheit schwelgen kann. Doch damit nicht genug: Für jede grosse Sopran-Rolle hat ihr Sohn, von Beruf Zahnarzt, ein Gebiss angefertigt (das «Donna-Anna-Gebiss» oder das «Tosca-Gebiss» etc.), die alle feinsäuberlich aufgeräumt in ihrer «Garderobe» darauf warten, eingesetzt zu werden. Gerade die Szenen mit «Maman» sind gleichzeitig so absurd und herzerwärmend komisch, dass man gar nicht mehr aufhören will zu lesen.

Auch die Väter, die eigentlich schon alle tot sind, geistern im Buch herum. Autoritäre Figuren, in ihrem Extremismus (sowohl der Sozialist wie auch der Faschist) total lächerlich und trotzdem gefährlich. Viktor und Edwin hatten keine einfache Kindheit, denn diese waren jeweils geprägt von Vorwürfen und Erniedrigungen durch die Väter.

Eine weitere wichtige Figur ist der Bewährungshelfer von Viktor, der ihn dazu nötigt, seine Verlobte zu beschatten, weil er denkt, sie habe eine Affäre. Da er ihn in der Hand hat, muss sich Viktor fügen. Dass die Verlobte tatsächlich eine Affäre hat, und zwar mit dem Sohn der «Frau Kammersängerin», ist nur eines der vielen Beispiele dafür, wie geschickt und undurchsichtig dieser ganze Roman gesponnen ist.

Klappt man am Ende das Buch zu, weiss man eigentlich nicht so recht, um was es im Roman wirklich ging. Vielmehr hat man einzelne wunderbare Szenen im Kopf, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Es bleibt das schale Gefühl, dass keine der Figuren am Ende ihr Glück finden wird, und dass dies fatale Folgen für «die Burg» haben wird.

     
fachbuchkritik.de & liesmalwieder.de  
Eine Frau zwischen zwei Männern, und doch keine Dreiecksgeschichte im herkömmlichen Sinn. Dora und Edwin, Billeteure im linken Parkett des Burgtheaters, in dem ihrer Meinung nach die wahren Kenner sitzen, sehen ihre Aufgabe nicht darin, die Besucher zu ihren Plätzen zu geleiten, sondern ihnen die Stücke zu erläutern. Während Edwin sich ausschließlich auf die Kunst konzentriert und nur durch seine Mutter mit ihrem neurotischen Papagei gestört wird, führt Dora mit dem Versicherungsagenten Viktor ein Leben neben dem Theater. Die beiden Männer ahnen nichts voneinander; was die Protagonisten verbindet, ist ihre problematische Jugend, geprägt durch Vaterfiguren, autoritär und lächerlich zugleich. Befreit die Kunst sie von ihren Erinnerungen, oder bleibt sie eine Illusion wie die Auftritte der gescheiterten Opernsängerin, der bei ihrem Debüt die Stimme versagte, und die Bemühungen des Bildhauers, dessen Skulptur "Weltdummheit" von der Realität überholt wird? Ist die Kunst vielleicht nur eine Täuschung, wie für den Juwelier, dem von seinem Vater verboten wurde, sich am Reinhardt-Seminar zu bewerben?
     
kleinezeitung.at  

Günther Freitag präsentiert seinen neuesten Roman

Günther Freitag (65), Schriftsteller aus Leoben, veröffentlichte seinen neuesten Roman „Melancholische Billeteure“ im Wieser Verlag.

In meinen Texten geht es oft ins Absurde, Skurrile. Solange die Freude am Erfinden bleibt, werde ich die mühevolle Arbeit des Schreibens niemals aufgeben“, meint Schriftsteller Günther Freitag aus Leoben. In erster Linie schreibe er für sich selbst. Etwa alle zwei Jahre aber teilt Freitag die Ergebnisse des literarischen Schaffens mit den geneigten Lesern: „Melancholische Billeteure“ heißt sein neuer Roman, der im Wieser Verlag erschienen ist.

Freitag rollt dabei keine herkömmliche Dreiecksgeschichte aus: Eine Frau, zwei Männer. So weit, so klassisch. Mit einem ihrer Kollegen teilt die Frau die Leidenschaft für Kunst und Kultur. Ihre Liaison mit einem Versicherungsvertreter wird allerdings von Liebe und Sexualität befeuert. Die Geschichte entwickelt Freitag vor der Kulisse der Wiener Theater – diese haben ihn auch ausdrücklich zu seiner Geschichte inspiriert. „Ich bin oft im Burgtheater und auch im Akademietheater. Dort gibt es zwei Mitarbeiter, die mir im Gedächtnis geblieben sind“, sagt Freitag. Bei allen Hauptcharakteren stehe eine autoritäre und gleichzeitig lächerliche Vaterfigur im Hintergrund. Die problematische Jugend sei die einzig echte Gemeinsamkeit zwischen den Protagonisten.

Am Parkett links

Am Parkett links im Burgtheater haben sich die beiden Billeteure eine eigene Traumwelt geschaffen, wo sie die Gäste nicht nur zu den Plätzen bringen, sondern ihnen die Stücke erläutern. Die Besucher: eine illustre Schar an skurrilen Typen. Freitag offenbart einmal mehr seinen Hang für das absurde Element. „Die Realität ist skurril. Aber ich glaube, ich kann mit meiner Fantasie eigentlich immer etwas drauf legen“, meint Freitag. Seiner Fantasie lässt er gerne freien Lauf. Ganz besonders gut gelinge ihm das im sonnigen Griechenland, für das er einen ganz besonders kritischen Blick entwickelt hat. In der touristisch geprägten Inselwelt Griechenlands sei alles auf Hochglanz lackiert. Dort sei einem das oft gnadenlose Elend am Festland nicht bewusst, dass in Athen und in den nordgriechischen Städten vorherrsche. Seit Jahren verbringt er viel Zeit auf der Insel Korfu, wo er nicht nur ausspannt, sondern sich auf das Arbeiten an seinen Texten konzentriert.

Weiten und Tiefen

Seine Arbeit bedeute, dass er aus den Weiten und Tiefen der Fantasie schöpfe: „Schriftstellerei ist nicht Abschreiben der Wirklichkeit. Man muss nicht alles selbst erlebt und erlitten haben, um darüber zu schreiben. Auch ein Arzt muss nicht krank sein, um Leute behandeln zu können“, meint Freitag. In „Melancholische Billeteure“ greift er auf die Ich-Perspektive zurück. „Dadurch wird für den Leser noch greifbarer, was die Personen antreibt. Es gibt keine erzählerische Instanz, die den Zugang abblockt. Die Distanz zum Leser wird geringer“, so Freitag. In die Gedanken- und Gefühlswelt der Frau einzutauchen, sei eine Herausforderung gewesen.
Nun zieht es ihn erneut ans Meer. Er geht wieder auf Reise – und das gleich im doppelten Sinn: Während er es sich auf der Insel Korfu in einem Liegestuhl im Schatten bequem macht, beschäftigt er sich in Gedanken schon mit seinem nächsten Buch. „Ich arbeite an dem ersten Rohentwurf. Es wird um einen allergiegeplagten Dirigenten gehen, der bei einem Geschäft für Tiernahrung als Regalbetreuer arbeitet“, verrät Freitag. Wie bei praktisch all seinen Werken und in seinem Leben ist es die Musik, die die erste Geige spielt.

     
meinbezirk.at  

Günther Freitag veröffentlichte neuen Roman

In seinem neuesten Werk "Melancholische Billeteure" befasst sich der Literat einmal mehr mit Skurrilitäten des Lebens.

LEOBEN. Der Leobener Schriftsteller Günther Freitag hat ein neues Buch veröffentlicht, den Roman "Melancholische Billeteure". Nach seinem letzten Werk, in dem sich Freitag der Oper und ihren Liebhaber widmete, verschlägt es ihn diesmal an das Wiener Burgtheater.

Kunst nur Illusion?

Im Mittelpunkt des neuesten Romans stehen drei Hauptakteure – eine Frau und zwei Männer – und doch handelt es sich nicht um eine Dreiecksgeschichte im herkömmlichen Sinn. Dora und Edwin sind Billeteure am linken Parkett des Burgtheaters, dort wo ihrer Meinung nach die wahren Kenner sitzen. Allerdings reduzieren sie sich nicht nur darauf, die Besucher zu ihren Plätzen zu geleiten, sie sehen es auch als ihre Aufgabe an, ihnen die Stücke zu erläutern und mit ihnen darüber zu diskutieren. Während Edwin sich ausschließlich auf die Kunst konzentriert und nur durch seine Mutter mit ihrem neurotischen Papagei gestört wird, führt Dora mit dem Versicherungsagenten Viktor ein Leben außerhalb des Theaters – die beiden Männer ahnen nichts voneinander. Was die Protagonisten verbindet, sind die Schatten einer problematischen Jugend, geprägt durch Vaterfiguren, autoritär und lächerlich zugleich. Befreit die Kunst sie von ihren Erinnerungen oder bleibt sie eine Illusion, eine Flucht vor dem realen Leben, wie die Auftritte der gescheiterten Opernsängerin, der bei ihrem Debüt die Stimme versagte, und die Bemühungen des Bildhauers, dessen Skulptur 'Weltdummheit' von der Realität überholt wird? Ist die Kunst vielleicht nur eine Täuschung, wie für den Juwelier, dem von seinem Vater verboten wurde, sich am Reinhardt-Seminar zu bewerben?

     
ask-enrico.com  

Günther Freitag: Melancholische Billeteure

Mit seinem Buch „Die Entführung der Anna Netrebko“ beschäftigte sich der Autor mit der Oper und ihren Liebhabern und Fans. Nun widmet er sich dem Wiener Burgtheater …

Günther Freitag scheint in der Wiener Kulturszene beheimatet zu sein, denn nach seinem Vorgänger-Roman, in dem die Wiener Staatsoper doch eine nicht unbedeutende Rolle spielte, widmet er sich nun einer anderen Wiener Kulturinstitution: dem Wiener Burgtheater.

Es ist die Geschichte dreier Menschen, von denen zwei als Billeteure (wie ist hier eigentlich die weibliche Form? Billeteuse?) im Burgtheater arbeiten. Für beide ist es nicht nur Arbeit: schließlich sind sie für die linke Parkettseite verantwortlich. Und das ist jener Bereich, in dem die Kenner sitzen. Beide nehmen daher ihre Arbeit sehr ernst – es geht nicht nur um das Platz anweisen, diese Aufgabe kann nur jemand erfüllen, der sich auch mit den Stücken, den Schauspielern, den Regisseuren beschäftigt. Da wird schon ein ums andere Mal nicht nur untereinander über eine Aufführung diskutiert, sondern auch mit dem Publikum Meinung ausgetauscht.

Fast nebensächlich bekommt der Leser Kenntnis von ihrer Lebensgeschichte, den Eltern, den Hoffnungen, Sehnsüchten und Begierden. Auch an skurrilen Elementen ist das Buch reich: oder wie würden Sie es bezeichnen, wenn Mutter und Sohn mit einem Papagei im Käfig ins Palmenhaus marschieren, damit dieser dort seine „Depressionen“ bekämpfen kann.

Obwohl die Handlung eigentlich ein bisschen dahin plätschert und nichts besonders aufregendes passiert, zwingt der Roman den Leser in seinen Bann und man kann kaum das Lesen beenden. Dazu trägt sicher auch das Wechseln der Erzählperspektive zwischen den Hauptfiguren bei.

     
Der Weststeirer  
Melancholische Billeteure

Eine Frau zwischen zwei Männern, und doch keine Dreiecksgeschichte im herkömmlichen Sinn. Dora und Edwin, Billeteure im linken Parkett des Burgtheaters, in dem ihrer Meinung nach die wahren Kenner sitzen, sehen ihre Aufgabe nicht darin, die Besucher zu ihren Plätzen zu geleiten, sondern ihnen die Stücke zu erläutern. Während Edwin sich ausschließlich auf die Kunst konzentriert und nur durch seine Mutter mit ihrem neurotischen Papagei gestört wird, führt Dora mit dem Versicherungsagenten Viktor ein Leben neben dem Theater. Die beiden Männer ahnen nichts voneinander; was die Protagonisten verbindet, ist ihre problematische Jugend, geprägt durch Vaterfiguren, autoritär und lächerlich zugleich. Befreit die Kunst sie von ihren Erinnerungen, oder bleibt sie eine Illusion wie die Auftritte der gescheiterten Opernsängerin, der bei ihrem Debüt die Stimme versagte, und die Bemühungen des Bildhauers, dessen Skulptur Weltdummheit von der Realität überholt wird? Ist die Kunst vielleicht nur eine Täuschung, wie für den Juwelier, dem von seinem Vater verboten wurde, sich am Reinhardt-Seminar zu bewerben?

     
Seniorkom.at  

Buchtipp: Melancholische Billeteure

Dora und Edwin, Billeteure im linken Parkett des Burgtheaters, in dem ihrer Meinung nach die wahren Kenner sitzen, sehen ihre Aufgabe nicht nur darin, die Besucher zu ihren Plätzen zu geleiten, sondern vor allem ihnen die Stücke zu erläutern.

Während Edwin sich ausschließlich auf die Kunst konzentriert und im "normalen" Leben nur durch seine Mutter mit ihrem neurotischen Papagei gestört wird, führt Dora mit dem Versicherungsagenten Viktor ein Leben neben dem Theater.

Was Dora und Edwin verbindet, sind die Schatten einer problematischen Jugend mit ebenso autoritären wie lächerlichen Vaterfiguren. Die Frage ist, ob die Kunst sie von ihren Erinnerungen befreien kann? Oder ob sie für die beiden nur eine Flucht vor dem realen Leben ist?







(p) & (c) günther freitag 2015