.: Café Olympia

(Februar 2013)

Nach dem Roman „Brendels Fantasie“, mit dem Elke Heidenreich ihre Musikbücher-Edition bei C. Bertelsmann begann, versammelt Günther Freitags Prosaband „Café Olympia“ Texte und Fotos zur aktuellen Lage Griechenlands. Im Zentrum der Miniaturen stehen reale Figuren, die unter dem Einfluss der allgegenwärtigen Krise rasch eine absurde Wandlung erfahren, die als Spiegelbild des für weite Bevölkerungsschichten unheilvollen Zusammenspiels von rücksichtslosen Finanzmärkten, korrupter Politik und der Verantwortungslosigkeit des Einzelnen fungiert.

"jetzt kriegt die eu einen nobelpreis für frieden und will ihre struktur erklären, wie baroso meint. wieder fehlt die emotion, wieder ist mit nähe, menschen, trauer, freude, lachen und tanzen, sorgen und lösung nichts und, doch haben wir ihnen seit 15 jahren vorgezeigt, in 195 bänden der reihe europa erlesen und in den zahllosen übersetztungen, wie sich widersprüche beheben lassen könnten, wo man sich annähern und wie man sich verstehen lernen könnte, im sinne von voltaire, der doch einmal meinte: europa kennen, europa erkennen, und wir fügten noch hinzu: europa erlesen. das ist und war unsere friedensarbeit von anbeginn an, dafür haben wir uns bis an den rand des machbaren gewagt, und wo ist deren anerkennung, frage ich mich oft in den nächten, wo ich nicht schlafen kann, wo ich sinniere, woher wieder einmal nehmen, um es nicht untergehen zu lassen."

Lojze Wieser




Gebundenes Buch mit Schutzumschlag: 140 Seiten
Verlag: Wieser Verlag
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: ISBN: 978-3-99029-049-1

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Leseprobe:

Deutscher?, fragte einer der Alten vom Nebentisch. Österreicher, sagte Rotter rasch, weil er den feindseligen Unterton in der Stimme des Alten sofort bemerkt hatte. Das sei dasselbe, meinte der. Er habe lange in Deutschland gelebt und sei in dieser Zeit bloß ausgenutzt worden. Jahrelang habe er für die Deutschen geschuftet und sei so arm auf die Insel zurückgekehrt, wie er sie verlassen habe. Er kenne keinen, dem es besser als ihm ergangen sei. Vor siebzig Jahren hätten ihnen die Deutschen ihre Panzer und Flugzeuge geschickt, heute schicken sie ihre Konzerne, denen die korrupten Politiker Dinge abkauften, die kein Mensch benötige. Und was wollen Sie uns verkaufen?, fragte er nach einer kurzen Pause, in der er den Übrigen wohl seine Abrechnung mit den Deutschen übersetzt hatte. Ich schreibe ein Buch! Sie schreiben ein Buch, wiederholte der Alte und sah Rotter fassungslos an. Sind Sie unglücklich verliebt?, fragte er dann. Als Rotter lachend verneinte, dachte er laut darüber nach, was denn außer einer unerwiderten Liebe einen Menschen dazu veranlassen könne, ein Buch zu schreiben, wo doch alles längst niedergeschrieben sei …






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