.: Melancholische Billeteure

(August 2017)

Eine Frau zwischen zwei Männern, und doch keine Dreiecksgeschichte im herkömmlichen Sinn. Dora und Edwin, Billeteure im linken Parkett des Burgtheaters, in dem ihrer Meinung nach die wahren Kenner sitzen, sehen ihre Aufgabe nicht darin, die Besucher zu ihren Plätzen zu geleiten, sondern ihnen die Stücke zu erläutern. Während Edwin sich ausschließlich auf die Kunst konzentriert und nur durch seine Mutter mit ihrem neurotischen Papagei gestört wird, führt Dora mit dem Versicherungsagenten Viktor ein Leben neben dem Theater. Die beiden Männer ahnen nichts voneinander; was die Protagonisten verbindet, ist ihre problematische Jugend, geprägt durch Vaterfiguren, autoritär und lächerlich zugleich. Befreit die Kunst sie von ihren Erinnerungen, oder bleibt sie eine Illusion wie die Auftritte der gescheiterten Opernsängerin, der bei ihrem Debüt die Stimme versagte, und die Bemühungen des Bildhauers, dessen Skulptur Weltdummheit von der Realität überholt wird? Ist die Kunst vielleicht nur eine Täuschung, wie für den Juwelier, dem von seinem Vater verboten wurde, sich am Reinhardt-Seminar zu bewerben?

Ein fulminantes Scheitern ja, sagt Maman, ein Dahinvegetieren in der Mittelmäßigkeit nein! Wie oft habe die große Callas eine Vorstellung im letzten Moment abgesagt, selbst beim kleinsten Zweifel habe die sich geweigert aufzutreten, auch wenn sie gewusst habe, sie würde besser sein als die meisten Sängerinnen. Dass ausgerechnet sie auf diesen griechischen Emporkömmling hereingefallen sei, gehöre zu den großen Rätseln der Musikgeschichte.

 

Gebundenes Buch mit Lesenbändchen: 272 Seiten
Verlag: Wieser Verlag
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe
ISBN-10: 3990292552
ISBN-13: 978-3990292556

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